Bulgarien am WM Finale 2014

13.07.2014, das große Fußball-WM-Finale in Brasilien, Deutschland gegen Argentinien.

Frau Merkel ist auch da – bestimmt von ihrem Taschengeld.

Mein Freund und ich gönnen uns von unserem Taschengeld eine Reise nach Bulgarien, zufällig zum Endspiel. Großleinwände? Public viewing? Wir suchen vergeblich. Leider keine Stimmung hier.

Also setzen wir uns vor den Fernseher unseres Hotels, fast allein – bis auf fünf people.

Mein Freund stellt mir die wichtigsten Fragen rund um das Thema Fußball und erklärt mir, dass der `Messi´ eigentlich ganz ordentlich ist. Bei orange-farbenem Vollmond verfolgen wir das Spiel – it´s moving. Wakawaka, hej hej! Unsere heroes! Endlich Waldmeister…äh…Weltmeister!

Welch ein Highlight am ersten Urlaubstag hier im Kurort Sveti Vlas, auch Klein-Hollywood genannt, direkt am Schwarzen Meer. Aber so schwarz ist das Schwarze Meer nun auch wieder nicht, eher tiefblau. Der Strand von Sveti Vlas bietet zwar nicht so viele Muscheln, dafür aber einige anständige Lounge-Beach-Bars, z.B. das „La Playa“ oder das „The Pirate“. Bei „Marmalad“ am sehenswerten  Yachthafen gibt´s super Kuchen und Torten.

In Restaurants ist das Essen immer in Gramm auf der Speisekarte angegeben. Darauf sollte man unbedingt achten, sonst kann es sein, dass man eine Kinderportion bekommt.

Ansonsten kann man hier ganz günstig leben. Bei einem Wechselkurs von 1,92 Leva pro Euro fühlt man sich in D-Mark-Zeiten zurück versetzt. Der Preis für einen halben Liter Bier beträgt 1,50 Leva (circa 70 Cent)! Ob die hier einen Biertanker haben?

Es gibt sogar auch einen Discounter in der Nähe mit vier Buchstaben – fängt mit L an und hört mit l auf (L . .l).

Sveti Vlas hat einen netten Ortskern, bietet regelmäßige Veranstaltungen im Amphi-Theater „Arena“ und betet in einer katholisch-orthodoxen Kirche mit goldener Kuppel.

Der Ort ist fest in russischer Hand. Ich lausche oft dem lustigen Stimmengewirr mit überwiegenden tsch-Lauten: ietsch, atsch, wietsch, watsch… Ohne Gebiss hört es sich noch witziger an.

Um 21.00 Uhr Ortszeit ist es dunkel. Zum dritten Mal begeben wir uns heute in ein Restaurant. Egal, ist ja günstig. Diese ständigen Wohlgerüche machen ja auch ständig Kohldampf. Außerdem ist die Gegend gebirgig, wir haben es mit Balkanausläufern zu tun. Ich meine, dass die Steigungen, die wir mehrmals täglich ablatschen, Kalorien kosten. Ohne Mampf kein Kampf. Ich spüre deutlich meine Waden, die sind schon viel kräftiger geworden.

Gesunde Drinks kriegt man auch hier, z.B. Aloe Vera, grüne Kokosnuss und Kombucha. Bringt nur nix mit Wodka gemixt. Fehlt nur noch eine Meister-Pizza in schwarz, rot, gelb.

Für den nächsten Tag planen wir einen Ausflug. Ausflüge sind unbedingt empfehlenswert. Wir entscheiden uns für die 3200 Jahre alte Stadt Nessebar. Ein Wunder Bulgariens und eine der größten historischen Schatzkammern in diesem Land. Nessebar liegt auf einer kleinen Halbinsel an der Schwarzmeerküste nahe Burgas. Die Stadt ist UNESCO-Kulturerbe und eine der ältesten Städte überhaupt. Außerdem eines der attraktivsten bulgarischen Seebäder – absolut sehenswert!

Atmosphäre: Besonders romantisch wegen der vielen Kirchen, die in Galerien und Museen umgestaltet worden sind.

Nicht empfehlenswert ist das Film-Museum. Es ist nur ein Raum mit ein paar Figuren und Reliquien aus Robin Hood, Terminator 2, Star Wars, u.a. Für den hohen Eintrittspreis sehr enttäuschend. Da hat unser Nachbar mehr Figuren in seinem Garten stehen.

Einheimische: Ein ernst wirkendes verkniffenes Volk, das nicht oft lächelt. Es fehlt die westliche Offenheit. Na ja, vielleicht haben viele Leute nur faule Zähne und das niedrige Einkommen frustriert ja auch.

Den Tag lassen wir in unserem Hotel „Juzhni Noshti“ ausklingen, welches ein sehr freundlicher Familienbetrieb ist. Hier wird sogar Deutsch gesprochen. Ist allgemein nicht üblich. Englisch hört man auch nicht oft, mit Russisch kommt man weiter.

„Prost“ sollte man lieber leise sagen, das bedeutet auf Bulgarisch so viel wie Trottel oder Vollidiot.

Ein weiterer Anziehungspunkt ist „Sunny Beach“, ca. 5 Kilometer entfernt von Sveti Vlas und mit der Buslinie 5 oder 8 zu erreichen. Kostet pro Fahrt / pro Person nur 1,20 Leva. Am besten fährt man bis zum „Hotel Orange“. Von hier aus ist es noch ein kleiner Fußmarsch bis zum Strand und man hat 6 Kilometer Leben pur vor sich. Hier ist so viel Action, hier tanzt der Papst! Hier kann man alles machen, außer schlafen. Preise werden oft nach Gesicht ausgehandelt und die Deutschen zahlen heute am Pizza-Stand 2 Leva weniger wegen der gewonnenen Fußball-WM. Das ist doch nett.

Sunny Beach ist eine Mischung aus Shopping-Meile, Kirmes und Miami Beach. Die aktuellsten Trends sind alle hier available. Mein Favorit: Fish Spa! 20 Minuten Wellness für 15 Leva. Ca. 50 Baby-Pyranhas sind in einem Becken mit Spezialwasser. Diese emsig freundlichen Fischchen fressen Hautschuppen von meinen Händen und Füßen und reinigen behutsam die Poren.

Zehn Minuten dauert mein Lachanfall, denn an den Füßen bin ich extrem kitzelig. Eine Mikromassage, die man so schnell nicht vergisst.

Das Mädel, das einem vorher die Füße wäscht, trägt eine Jeans mit modischen Löchern – da fragt man sich schon, ob die Minifische auch Stoff mögen.

Fotos mit Schlangen oder Papageien kann man übrigens auch hier machen lassen. Wenn die Vögel einem auf den Schultern sitzen, kann es sein, dass sie plötzlich mal eine Plastik-Haarspange probieren wollen. Das knackige Geräusch habe ich jetzt noch in den Ohren. Immer eine Ersatzspange dabei zu haben wäre an dieser Stelle ein guter Tipp.

Der nächste Stand verkauft Halsketten aus Silberdraht. Dein Name, oder welcher auch immer, wird in nur zwei Minuten gebogen. „Wäre doch eine gute Idee für meine Bankverbindung mit Pin“, denke ich, gehe dann aber doch weiter. Meine Fisch-Massage wirkt noch nach. Sie ist sehr empfehlenswert vor längeren Fußmärschen, bei schmerzenden Füßen durch Highheels oder nach Disco nights.

Langsam flanierend versuche ich ein Plakat in kyrillischer Schrift zu entschlüsseln. Das P ist im Deutschen ein R und das H ist ein N. Total irritierend. Ganz zu schweigen von den Sonderbuchstaben.

Um das zu übersetzen bräuchte ich noch ´ne Weile. „Nur keine Anstrengung“, sage ich zu mir selber,  „ich bin hier im Urlaub“.

„Moment… was habe ich da eben zu mir gesagt? Nur keine Anstrengung? Wieso nur im Urlaub?“

Genau das ist es! Erst jetzt erreicht mich dieser Satz…Leichtigkeit ist das Zauberwort…und zwar nicht nur im Urlaub, sondern überhaupt.

Manchmal braucht es einen langen Weg, z.B. nach Bulgarien, um auf sein neues Lebensmotto zu kommen und um sich bewusst zu werden, dass verbissene Bemühungen im Leben eine Blockade sind.

In diesem Sinne: Dolce Vita!

Dolce Vita Ferienanlage in Sveti Vlas