Basenfasten auf Mallorca

i Hola ! Ein Abenteuer der besonderen Art erwartete mich im 17. Bundesland der Deutschen: Eine Woche Saufen und wenig Nahrung. Das Saufen bezog sich jedoch nur auf Kräutertee und stille Wässerchen, die Nahrung beschränkte sich ganz auf basische Lebensmittel.

Meine Ziele:

-Entschlackung, Entgiftung
-Sinne sensibilisieren
-Mentale Stärke gelangen durch zeitweisen Verzicht
-Genussmitteln widerstehen und sich diesbezüglich besser unter Kontrolle  haben.

Unsere 13-Kopf-Gruppe wohnte in zwei sich gegenüber liegenden Villen in dem unverfälschten Örtchen Sa Rapita an der Südküste von Malle, ca. 30-40 Autominuten von Palma entfernt. Gute Bekannte organisierten die Reise und ließen ihre langjährigen Insel-und Fastenerfahrungen einfließen. Die Zeit, die man sonst in aufwändiges Kochen oder in Restaurantbesuche steckt, stand uns anderweitig zur Verfügung – z.B. für Leberwickel, Gymnastik, Wanderungen oder Besichtigungen. Die morgendliche Frage „Wer holt die Brötchen?“ erübrigte sich. Früchte mit Leinöl sind eh viel besser, Autos kriegen ja auch gutes Öl. Noch einen Löffel Erdmandelflocken drüber, fertig. Die halten lange satt. Statt Kaffee gab´s leckeren Blasen-Nieren-Tee. Ach ja…und natürlich frisch gepressten Saft aus mallorquinischen Orangen.

Mit so vielen Vitaminen im Bauch waren wir fit wie Turnschuhe und machten einen zehn Kilometer langen Marsch ( mit Liegepause ) am nahegelegenen Strand von Sant Jordi. Eine Naturkulisse mit Karibik-Flair – weißer Sand und blaugrüne Meeresfarben. Sogar ein Delfin war zu sehen…aus Sand geformt…zumindest seine Überreste.

Am Nachmittag freuten wir uns auf einen Salatteller. Er war simpel aber gut. Je weniger Zutaten, desto intensiver ist das Geschmackserlebnis. Gewürzt wird beim Basenfasten überwiegend mit Kräutern und etwas Pfeffer.

Nach dem Essen verkrümelten sich meine Mitfaster auf die Liegen um den Pool und dösten um die Wette. Abends erzählte uns unsere Fastenleiterin Wissenswertes über das Thema Heilfasten bzw. Basenfasten.

Der nächste Tag hielt eine Überraschung bereit – die mobile Inselmasseurin Claudia Gehring kam ins Haus und mit ihr das Mallorca TV. „Die Mallorca Reporter“ ( TV- und Internet Reportagen, www.deutsches-mallorca.tv ) berichten über die Insel. Über Fleckchen, die noch ziemlich unbekannt sind und über Deutsche, die auf Mallorca ihr Ding machen. Wir hatten die Möglichkeit, kurz über Claudia und ihre Massagekunst zu sprechen. Ich kann sie jedenfalls wärmstens weiter empfehlen.

Mit einem tollen Wellness-Gefühl trafen sich unsere Leute nachmittags nach der Massage an den Mietwagen zur Palma-Tour.

In der Metropole angekommen, gingen wir schnell vorbei an den vielen Cafés und Tapas-Bars, dafür hielten wir Frauen uns ausgiebiger in Schuhgeschäften und Boutiquen auf. Gegen die Hungersnot hatten wir ein paar Mandeln und etwas Dörrobst in der Tasche. Im Gassengewirr begutachteten wir Sehenswürdigkeiten wie Gucci, Chanel, Dior…

Die gut erhaltene Altstadt lädt geradezu zum Bummeln und Trödeln ein. Unser roter Faden war die „Passeig de Born“, die breite Flanierallee mit beeindruckenden Jugendstilhäusern. An ihr kann man sich immer wieder orientieren, sie führt zur Kathedrale und zum Hafen. Da unsere Zeit begrenzt war und unsere Shopping-Queen bereits feststand, ließen wir den Paella widerstandenen Tag ausklingen mit einem Pfefferminztee in einem Touri-Café. Olé. Viva Palma!

Mittlerweile brach die Dunkelheit ein und zauberte eine stimmungsvolle Atmosphäre in die Inselhauptstadt. Die Kathedrale und die Wasserfontänen davor erstrahlten in einem romantischen Licht. Ein toller Anblick, der hatte was!

Wenn man seine Ruhe haben will, besucht man am besten einmal die Insel „La Dragonera“ ( deutsch: Die Dracheninsel ), so benannt wegen ihrer drachenähnlichen Form. Man fährt bis Sant Elm und nimmt dort das Wassertaxi. Nach zehn Minuten Überfahrt ist man von kleinen Drachen umgeben, hier wimmelt es von Eidechsen. Sie kamen mir vor wie die Hüter der Insel, die uraltes Wissen über die Erde in sich tragen. Wir bestachen sie mit Zitronenscheiben, nach dem Motto `sauer macht lustig´, aber sie haben uns trotzdem nix erzählt.

Man hat verschiedene Wanderwege zur Auswahl, mehr oder weniger steil. Auf der höchsten Erhebung steht ein ehemaliger Leuchtturm. Wer die 350 Meter erklimmen will, sollte auf brütende und manchmal wütende Vögel Acht geben. Für sehr Stressgeplagte empfiehlt sich meditatives Wandern. La Dragonera ist ein Naturschutzgebiet und autofrei, hier wohnen nur Tiere, Pflanzen und Felsen. Die Ruhe ist Erholung pur. Nach dem Wandern gönnten wir unseren Füßen eine Erholung in Form einer Igelballmassage.

Mittwochs und samstags ist Markt in Santanyi. Und was für einer!

Frühmorgens ist er allerdings noch nicht so überlaufen. Ein breites Warensortiment wird hier unter freiem Himmel angeboten, hier kriegt man alles was man braucht oder nicht braucht. Sucht man ein exclusives bzw. besonderes Geschenk, wäre vielleicht das „Grüne Gold“ eine gute Idee. So wird Aloe Vera oft genannt; eine Heilpflanze, die sehr vielseitig eingesetzt wird. Ein Deutscher betreibt die einzige Aloe Vera-Farm auf Mallorca. Entweder besichtigt man gleich die Farm ( Santa Margalida – Artá ) oder man kauft die Qualitätsprodukte auf dem Markt.

Chorizo oder Conchita, Wurst gibt´s hier satt. Aber wir waren doch eher gemüseorientiert und packten alles in die Tüten, was man für´s abendliche Ratatouille so benötigte. Oliven und Aprikosen gehen immer, noch ein T-Shirt, noch ´ne Halskette…und das Glück ist perfekt. Diese verlockenden Gerüche überall waren wirklich eine harte Bewährungsprobe für uns Faster. Was auf alle Fälle Spaß macht, ist Leute gucken. Wie sie ausschauen, wie sie Preise runterhandeln. Deutsche sieht man genauso viele wie Spanier.

Ein Ort mit dem gewissen Etwas ist Sóller. Dorthin gelangt man durch einen mautpflichtigen Tunnel. In Sóller selbst sucht man sich einen Parkplatz außerhalb des historischen Stadtkerns und fährt mit dem „Orangenexpress“ – wie die alte Eisenbahn genannt wird. Sie wurde früher bei der Orangenernte

eingesetzt, so konnte man die Früchte gleich transportieren.

Die Kirche „Sant Bartomeu“ erinnert an den großartigen spanischen Architekten Antoni Gaudi, was kein Zufall ist – einer seiner Schüler entwarf die Fassade.

Auf unserem Weg, vorbei an den leckeren Mandelkuchen, sahen wir oft Fahnen aus den Häusern hängen. Sie erinnerten an die Abwehr eines türkischen Piratenüberfalls vor langer langer Zeit am 11. Mai. Seitdem zählt dieses Ereignis zu den mallorquinischen Feiertagen ( Moros y Cristianos / Mauren-Christen-Fest ).

 

Versteckt im Tramuntana – Gebirge liegt das Fünf Sterne Plus – Resorthotel „Cas Xorc“, mitentwickelt von Sternekoch Eckart Witzigmann. Es ist viel mehr als ein Ziel für Wanderer, es ist ein liebevoll gestaltetes Hotel mit einem Top – Restaurant.

Top – Restaurant in zweierlei Hinsicht:

Wegen der Lage und wegen des berühmten Kochs.

Ich durfte sogar einen Blick in die anspruchsvolle Profiküche werfen, worauf ich besonders stolz bin. Diese Adresse wird in Kenner-und Promikreisen als Geheimtipp weitergegeben. Claudia Schiffer feierte hier ihren 30. Geburtstag, Andrew Lloyd Webber war hier und Michael Douglas – um nur einige Herrschaften zu nennen.

 

Zu Mallorcas unzähligen Gesichtern gehört für mich auch die wunderschöne Bucht von Mondrago, gelegen in einem Naturpark mit Dünenlandschaft. Der Strand verläuft flach ins Meer, aber das Wasser ist Anfang Mai noch a….kalt   ;-)))

Erwähnenswert: Der Erlös der Parkgebühren geht an behinderte Mitmenschen.

Spanische Enten

Freitagabend endete unsere Fastenwoche mit einem:

„Hoch die Hände – Wochenende!“

Flachbäuchig kauten wir zeremoniell jeden Bissen unseres Apfels 35 mal.

Wie gut, dass der Friedel seinen Bauch vorher geknipst hat. „Der war teuer, der soll mit auf´s Bild“, hat er gesagt. Bestimmt hat der abnehmende Mond uns beim Entschlacken unterstützt. Wenn man essenstechnisch im Standby – Modus ist, reagieren die Ohren viel sensibler auf manche Redewendungen wie z.B.:

–       Sich von der SCHOKOLADENseite zeigen ( lecker ).
–       Das ist allererste SAHNE ( lecker ).
–       Hier ist ein schönes PLÄTZCHEN ( lecker ).
–       Grinsen wie ein HONIGKUCHENpferd ( lecker ).

Jedenfalls ging´s mir so und ich fand´s ganz amüsant.

Witzig ist auch die Tatsache, dass nirgends so viel über das Essen geredet wird, wie bei einer Fastenkur.

Mit einem samstagmorgendlichen Eselruf und einem guten Gewissen gegenüber meinem Körper endete meine Reise. Weisse Bescheid.